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Jürgen Beckmann

Die Kragarmtreppe – eine schwebende Treppe als Designelement

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist eine Kragarmtreppe?

Bei einer Kragarmtreppe kragen die Stufen aus der Wand aus, ohne dass die einzelnen Stufenelemente eine Zwischenstufenverbindung haben. Es gibt also nur eine Trittstufe (horizontale Trittfläche), keine Setzstufe (vertikales Stufenelement).

Kragarm Der Begriff Kragarm stammt aus der Baustatik und bezeichnet einen einseitig gelagerten, meist fest eingespannten Balken, an dem sein Eigenwicht und andere Lasten wirken. 

2. Was sind die baulichen Voraussetzungen für eine Kragarmtreppe?

Um eine Kragarmtreppe montieren zu können, ist eine stabile Wand notwendig, in der die Stufen fest verankert werden können. Für eine gängige Kragarmtreppe reicht eine 24 Zentimeter starke Betonwand zur wandseitigen Lastabtragung aus. Diese sollte bereits in der Hausplanung mit bedacht werden.

Entweder werden die Verankerungen bereits im Rohbau mit in die Betonwand eingesetzt oder aber der Treppenbauer setzt die Verankerungen erst beim Einbau der Treppenstufen – so, wie es auch bei einer Renovierung oder Sanierung gemacht wird. 

Erfahrungsgemäß ist die Verankerung jedoch ein Detail, das der Betonbauer lieber in den Händen der Treppenbauer weiß.

Statisch ist eine Stufenstärke von mindestens 88 Millimetern absolut tragfähig. Besteht der Wunsch auf schmalere Stufen, so ist dies beispielsweise nur durch eine Wandverstärkung im Rohbau beziehungsweise durch ein tragfähiges Geländer umsetzbar.

Diese Sonderwünsche und erforderlichen Detaillösungen sollten auf jeden Fall vor Baubeginn mit dem Treppenbauer geklärt werden.
Zur Befestigung der Kragarmstufen in der vorhandenen Betonwand nutzt der Handwerker eine bauaufsichtlich zugelassene Verankerungstechnik. Diese gewährleistet Ihnen, dass die statischen Erfordernisse langfristig erfüllt sind.

3. Welche baurechtlichen Vorschriften gibt es bezüglich Kragarmtreppen?

Vorschriften zum Treppenbau – und damit auch zu Kragarmtreppen – sind in den jeweiligen Landesbauordnungen und in der DIN 18065 festgelegt. Die DIN 18065 ist dabei das umfassendere Regelwerk zum Thema Treppenbau, muss jedoch nicht zwingend eingehalten werden. Als Kunde können Sie mit dem Treppenbauer abweichende Entscheidungen treffen. Wenn Sie aber eine Treppe haben möchten, die absturzsicher ist, sollten Sie solche Abänderungen nur mit viel Bedacht vornehmen.

In der DIN 18065 gibt es unter anderem Vorschriften zur Treppenlaufbreite, zur Treppensteigung und zum Treppenauftritt.

Die DIN Die Abkürzung DIN steht für Deutsches Institut für Normung – einem privatwirtschaftlichen Verein, der als einziges offizielles Normungsinstitut anerkannt ist. Die Normen, die das Institut herausbringt, sind nicht verbindlich, aber sie legen in vielen Bereichen den Stand der Technik fest, der im Regelfall angewendet werden sollte. 

Für Kragarmtreppen sind insbesondere die Regelungen zum Treppengeländer von Bedeutung. Da es im privaten Bereich in bestimmten Fällen und je nach Landesbauordnung möglich ist, ein Geländer wegzulassen, muss hier zwischen Gestaltung und Vernunft entschieden werden: Auf der einen Seite wirken die freien Stufen am besten ohne Geländer, auf der anderen Seite sorgt ein Geländer für mehr Sicherheit.

4. Welche Geländeralternativen gibt es für Kragarmtreppen?

Im Grunde braucht die Kragarmtreppe nur einen Wandhandlauf, so wirkt sie am besten. Doch das ist aufgrund sicherheitstechnischer Aspekte nicht immer sinnvoll. Eine Möglichkeit der Absturzsicherung, ohne dabei den schwebenden Charakter der Kragarmtreppe zu stark optisch zu beeinflussen, ist eine Glaswand – am besten mit ein paar Zentimetern Abstand zur Treppe. Alternativ können auch vom Fußboden bis in die Decke gespannte Drahtseile oder Rundstäbe aus Stahl für mehr Sicherheit sorgen.

5. Welche Materialmöglichkeiten gibt es für Kragarmtreppen?

Kragarmtreppen können aus vielen verschiedenen Materialien gefertigt werden: Beton, Stahl, Glas, Holz, Kunststoff, Naturstein. Hier gilt es den Handwerker zu finden, der Ihnen Ihre Vorstellungen Realität werden lässt.

6. Auftritt, Steigung und Laufbreite – was empfiehlt der Treppenbauer?

Das passende Verhältnis von Auftritt und Steigung ist entscheiden dafür, dass eine Kragarmtreppe gut begehbar ist. So sollte die Summe von zwei Steigungshöhen und einem Auftritt etwa 63 Zentimetern entsprechen. Dies gilt als optimale Schrittlänge.

Als Laufbreite sind 80 bis 100 Zentimeter empfehlenswert. Der Wert hängt jedoch von diversen Parametern ab, zum Beispiel von der Treppenöffnung und davon, wie stark frequentiert die Räume sind, durch die die Treppe führt.
Um die idealen Maße für Ihre Kragarmtreppe zu bestimmen, sollten Sie auf jeden Fall ob Alt- oder Neubau einen Treppenbauer hinzuziehen.

7. Wie viel kostet eine Kragarmtreppe?

Obwohl sich Kragarmtreppen durch Ihre Schlichtheit auszeichnen, sind die Kosten dafür im höheren Preissegment angesiedelt. Je nach Ausführung und Material liegen sie inklusive Lieferung und Montage schnell bei 850 bis 1200 Euro netto pro Steigung.

Diese Beträge entstehen durch den großen statischen Mehraufwand, der sowohl bei der Planung als auch beim Einbau mehr Zeit erfordert. Für die Montage muss zum Beispiel das Doppelte an Arbeitszeit im Vergleich zur einfacheren Wangentreppe eingeplant werden.

8. Wer baut Ihnen Ihre Kragarmtreppe?

Haben Sie sich für eine Kragarmtreppe entschieden, so sollten Sie auf qualitativ hochwertige Arbeit und ein Angebot als Komplettpaket achten. Das bedeutet, dass Beratung, Aufmaß, Planung, Fertigung, Lieferung und Montage aus einer Hand kommen sollten. Denn nur so ist Ihnen eine passgenaue Treppe und eine zufriedenstellende Gewährleistung garantiert. Zudem haben Sie dadurch nur einen Ansprechpartner und Verantwortlichen, den Sie zurate ziehen müssen, wenn etwas schief läuft.

Tipp Wenn Sie sich gar nicht vorstellen können, wie die von Ihnen gewünschte Kragarmtreppe in Ihrer Wohnung aussehen wird, dann suchen Sie sich einen Handwerker beziehungsweise Treppenbauer, der Ihnen eine Visualisierung Ihrer Treppe erstellen kann.
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