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Alexander Seidl

Bitumen: Gebäudeabdichtung zum Selbermachen

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bitumen und wo wird Bitumen verwendet?

Man nennt es auch „ausschwitzendes Pech“, Erdpech oder Gräberpech. Kein Wunder, denn Bitumen ist ein dunkelfarbiges Kohlenwasserstoff-Gemisch, das mit seiner halbfesten bis harten, klebrigen Konsistenz sehr beständig ist. Besonders im Straßenbau und bei Abdichtungen im Deponie- und Wasserbau wird Bitumen gerne und oft verwendet, aber auch bei der Herstellung von Dach- und Dichtungsbahnen für die Flachdach- und Bauwerksabdichtung.

Bitumenanstrich: Wofür ist er wichtig und wie trage ich Bitumen auf?

Kurz gesagt: Ohne Abdichtung, keine Gebäudedämmung. Werden Wände und Bodenplatte nicht vor Feuchtigkeit geschützt, kann es zu Schimmel bis hin zur Beeinträchtigung der Gebäudestabilität kommen. Daher ist ein guter Feuchtigkeitsschutz ein wichtiger Bauteil – egal ob beim Neubau oder im Zuge einer Renovierung. Der Bitumenanstrich sorgt hierbei für den Schutz von erdberührenden Bauteilen, wie der Bodenplatte und den Wänden. Einfach drauflos streichen funktioniert dabei allerdings nicht. Damit der Bitumenanstrich erfolgreich ist, sollten Sie zuvor folgende Schritte durchführen:

  • Bestimmen Sie die abzuwehrende Feuchtigkeit
  • Prüfen Sie die Produkte, die für diese Feuchtigkeitsstufe in Frage kommen
  • Bereiten Sie den Untergrund gut vor
  • Beachten Sie dabei die genaue Einhaltung der Verarbeitungshinweise des Herstellers
  • Zum Schluss tragen Sie den Schutz der Bitumenschicht auf

So wählen Sie den richtigen Bitumenanstrich aus

Bitumen ist nicht gleich Bitumen. Daher sollten Sie bei der Produktauswahl nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Verarbeitungsweise achten. Hier spielt die Wetterlage auch eine Rolle: Manche Bitumen-Produkte können auch bei sehr warmen Außentemperaturen über 35 Grad Celsius noch verarbeitet werden, andere bei maximal 25 Grad Celsius.

Moderne Bitumen-Emulsionen bringen dabei einen echten Vorteil mit sich, da sie in der Verarbeitung nicht mehr erhitzt werden müssen. Hier unterscheidet man bei Bitumendichtstoffe zwischen Ein- und Zweikomponentenprodukten. Empfehlenswerter ist hier die Zweikomponenten-Bitumen-Isolierung, da sie bei der Anlage einer Dickbeschichtung viel schneller trocknet.

Doch egal, für welches Bitumen-Produkt Sie sich am Ende entscheiden, wichtig ist, dass Sie sich immer genau an die Vorschriften zur Verarbeitung halten. Denn auch wenn Bitumen als Hauptbestandteil in allen Produkten identisch ist, sind die Produkte doch immer wieder anders zusammengesetzt.

Bitumen auftragen: Wie bereite ich den Untergrund richtig vor?

Hier stellt sich als erstes die Frage, wie die Oberfläche des abzudichtenden Bauteils beschaffen ist. Bitumen ist sehr vielseitig einsetzbar und haftet auf ganz unterschiedlichen Untergründen, wie vollfugigem Mauerwerk, Kalksandstein, Ziegeln und Beton.

Bevor Sie Bitumen auftragen, sollten Sie prüfen, ob der Untergrund auch trocken, fettfrei, frostfrei und sauber ist. Das ist die Grundvoraussetzung, denn bereits die kleinste Verunreinigung durch Staub können die Haftung des Bitumenanstrichs und damit die Abdichtung beeinträchtigen. Außerdem müssen Sie – wenn vorhanden – Altbeschichtungen des Bitumens vor dem neuen Anstrich entfernen. In Altbauten wurden früher oftmals Teeranstriche verwendet, die für heutige Bitumenanstriche keine geeignete Oberfläche sind. Zudem sollten Sie Risse im Mauerwerk und Unebenheiten vorab mit geeigneten Mitteln wie Reparatur- und Ausgleichsmörtel ausbessern.

Bitumen auftragen: Planen Sie genügend Platz für den Anstrich ein

Bevor Sie Bitumen auftragen, sollten Sie für ausreichend Platz auf der Oberfläche sorgen. Hierfür ist das Anlegen von Hohlkehlen an Kanten, Ecken und dort, wo das Fundament vorspringt, wichtig. Als Hohlkehlen bezeichnet man Ausrundungen, die die Kanten abschrägen und aus Ausgleichsmörtel oder Gummi-Mörtel selbst geformt werden können. Sie sollten eine Schenkellänge von vier und sechs Zentimetern haben. Durch ihre Form verhindern sie, dass durch aufstauendes Wasser zu viel Druck auf das Bauteil entsteht.

Auch bei der Planung von Sanierungsarbeiten sollten Sie rund um den zu bearbeitenden Bereich ausreichend Bewegungsfreiheit mit einplanen. Daher sollte die Grube um den Gebäudesockel beziehungsweise die Kellerwände mindestens 80 Zentimeter breit sein. Die Schräge des ausgehobenen Grabens sollten Sie so wählen, dass die Kanten nicht abbrechen und so die Arbeitsfläche verunreinigen.

Bitumenanstrich aufbringen: Was brauche ich dafür?

Rolle, Pinsel, Quast oder auch eine Spritze – es gibt viele Hilfsmittel für einen Bitumenanstrich. Diese Varianten gehen allerdings nicht auf allen Flächen und sind auch nicht überall für eine ordentliche Gebäudeabdichtung empfehlenswert. Auf Dächern kann Bitumen beispielsweise verstrichen werden. Hier helfen spezielle Bitumen-Schweißbahnen in unterschiedlichen Ausführungen. Für die Sockel- und Kellerabdichtung kommen ebenfalls verschiedene Varianten infrage. Und so geht der Anstrich:

  1. Zunächst wird auf die mit Hohlkehlen und Dichtschlämme vorbereiteten Bauteile ein Bitumenvoranstrich oder eine Bitumengrundierung gestrichen. Je nach Herstellerangabe sind eventuell mehrere Durchgänge nötig. Ist die Grundierung getrocknet, kommt jetzt der eigentliche Bitumenanstrich. Diese Schicht wird in der Regel in drei Arbeitsgängen durchgeführt, nach jedem Anstrich muss der Untergrund aber zunächst trocknen.
  2. Anschließend wird eine angemessene Bitumen-Isolierung aufgetragen, damit später Erde, Wasser, Steine und Wurzel der Bitumenschicht nichts anhaben kann. Hierfür gibt es verschiedene Lösungen: Sperrbahnen aus Bitumenprodukten, spezielle Folien oder auch Noppenbahnen. Ideal sind Perimeterplatten, die mechanischen Schutz und Wärmedämmung vereinen.

Wie lange muss der Bitumenanstrich trocknen?

Erst einmal sollten Sie auf die richtige Schichtdicke achten. Hiervon hängt auch die Trocknungszeit ab. Die fertige Bitumendickbeschichtung sollte zwischen drei und sechs Millimeter betragen. Bei der Verarbeitung des Bitumens sollten Sie darauf achten, dass das feuchte Material nur so dick aufgetragen wird, wie es der Hersteller empfiehlt. In der Regel ist die feuchte Dicke doppelt so hoch wie die trockene. Die Trocknungszeit ist dabei witterungs- und produktabhängig und dauert zwischen drei und sieben Tagen.

Mehr zum Thema Bitumen finden Sie in unserem Artikel Garagendach abdichten: Wie mache ich mein Dach wetterfest?

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