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Thomas Stübler

Nullenergiehaus: Eigenschaften, Vor- und Nachteile

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nullenergiehaus?

Bei einem Nullenergiehaus handelt es sich, wie der Name schon sagt, um ein Haus, das null Energie von außen benötigt. Der gesamte Energieverbrauch eines Jahres wird über selbst erzeugte Energie zur Verfügung gestellt. Dies wird über eine gut geplante Haustechnik und hochleistugsfähige Dämmmaterialien erreicht. Demnach sind die Wärmeverluste des Hauses über Fenster und Türen sehr gering. Die Außenwände sind so konzipiert, dass das Haus eine hohe Luftdichtheit und wenig bis gar keine Wärmebrücken aufweist. Bei einer Wärmebrücke handelt es sich um eine wärmetechnische Schwachstelle der Konstruktion, über die viel Energie verloren geht und durch die es zu Beschädigungen kommen kann. Mehr Informationen zu Wärmebrücken finden Sie hier: Wärmebrücke

Damit die Nullenergiehäuser, häufig auch Energiesparhäuser genannt, keine Energie von außen benötigen, verfügen sie über bestimmte energieerzeugende Anlagen. Eine beliebte Anlage ist die Photovoltaikanlage, die auf dem Dach eines Hauses angebracht werden kann. Damit diese ausreichend Energie liefert, ist auf eine richtige Ausrichtung des Hauses zu achten. Dieses sollte bestenfalls nach Süden ausgerichtet sein. Die Dachneigung ist ebenfalls auf die Photovoltaikanlage anzupassen.

Grundsätzlich verfügen Nullenergiehäuser dennoch über eine Möglichkeit Energie auch aus dem öffentlichen Netz zu nutzen, damit an schlechten Regentagen dennoch genügend Energie zur Verfügung steht.

Nullenergiehäuser müssen nicht zwingendermaßen neu gebaut werden. Es gibt auch Möglichkeiten Bestandshäuser zu Nullenergiehäusern umzubauen. Inwiefern dies möglich ist und was das kosten würde, ist von den individuellen Gegebenheiten abhängig.

Abgrenzung Nullenergiehaus zu anderen Hausarten

Neben Nullenergiehäusern gibt es auch Passivhhhäuser und Plusenergiehäuser. Häufig entstehen durch die vielzähligen Begriffe Verwechslungen zwischen den Hausarten. Um hier Klarheit zu schaffen, sind nachfolgend die Begriffe definiert:

  • Passivhaus: Bei einem Passivhaus handelt es sich um ein Haus, das Energie nur passiv nutzt, beispielsweise durch Körperwärme oder Sonneneinstrahlung. Eine gute Ausrichtung des Hauses ist hierbei besonders wichtig. Aktiv genutzte Energie in Form einer Solaranlage wird in diesem Haus nicht genutzt.
  • Plusenergiehaus: Ein Plusenergiehaus besitzt die Eigenschaft mehr Energie zu produzieren, als es benötigt. Die überschüssige Energie kann beispielsweise in das öffentliche Netz eingespeist werden.
  • Nullenergiehaus: Das Nullenergiehaus gliedert sich von den Anforderungen und Eigenschaften zwischen dem Passivhaus und dem Plusenergiehaus ein. Grundsätzlich weist es die Eigenschaft auf, dass die vom Gebäude erzeugte Energie am Jahresende gleich der dem Gebäude zugeführten Energie ist. Die Bilanz zwischen den beiden Energieformen beträgt somit null. Im Gegensatz zum Passivhaus nutzt das Nullenergiehaus auch aktive Energie durch Solaranlagen, produziert im Gegensatz zum Plusenergiehaus jedoch nicht mehr Energie, als es tatsächlich benötigt.

Eigenschaften des Nullenergiehauses

Das Nullenergiehaus erhält besonders durch bestimmte Eigenschaften seinen klimafreundlichen Charakter. Im Gegensatz zu klassichen Häusern, wird hier besonderer Wert auf verschiedene Merkmale der Baustoffe und Bauelemente gesetzt:

  • Fenster: Die Fenster bei einem Nullenergiehaus sollten über eine Dreifachverglasung verfügen, durch die der Wärmeverlust verringert wird.
  • Lüftungsanlage: Beim traditionellen Stoßlüften geht viel Wärme und damit auch Energie verloren. Damit dies bei einem Nullenergiehaus nicht geschieht, besitzen die meisten eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Dies bedeutet, dass durch die Lüftungsanlage Frischluft in das Hausinnere gelangt, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen und dadurch Wärme entweichen kann.
  • Dach: Das Dach ist bei einem Nullenergiehaus ein sehr wichtiger Bestandteil der Immobilie. Hier wird die Photovoltaikanlage angebracht, die dem Haus die Energie liefert. Damit diese optimal funktionieren kann, ist auf eine richtige Ausrichtung und Neigung des Dachs zu achten.
  • Außenwand: Je schlechter das sogenannte A/V-Verhältnis, desto mehr Wärme und somit auch Energie geht über die Außenwände verloren. Unter dem A/V-Verhältnis wird das Verhältnis der Hüllfläche, also der Fläche der Außenwand, zum Volumen eines Gebäudes verstanden. Um bei Nullenergiehäusern Energie- und Wärmeverluste zu minimieren, wird darauf geachtet, die Außenwand möglichst klein zu gestalten.
  • Energieerzeugung: Nullenergiehäuser müssen in der Regel Energie selbst erzeugen. Damit dies möglich ist, besitzen sie eine Anlage zur Energieerzeugung. Meist wird eine Photovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk gewählt.

Nullenergiehaus: Die Vor- und Nachteile

Das Nullenergiehaus weist verschiedene Eigenschaften auf, die deutliche Vorteile nach sich ziehen:

  • Durch die Anlage zur Energieerzeugung muss keine Energie aus dem öffentlichen Netz genutzt werden. Somit ist der Besitzer nicht abhängig von der Entwicklung von Energiepreisen.
  • Da ein Nullenergiehaus selbst Energie erzeugt, ist es besonders klimaschonend und nachhaltig.
  • Durch höhere energetische Anforderungen an das Gebäude erfüllt dieses länger die Anforderungen der Energieeinsparverordnung als klassische Häuser.
  • Viele empfinden das Raumklima in einem Nullenergiehaus als sehr angenehm.
  • Der Bau von Nullenergiehäusern wird mit verschiedenen Fördermitteln gefördert.

Neben den Vorteilen weisen Nullenergiehäuser jedoch auch einige Nachteile auf:

  • Da Nullenergiehäuser stärkeren Anforderungen gerecht werden müssen, ist der Planungsaufwand höher.
  • Durch hochwertige Materialien kommt es auch zu höheren Baukosten.
  • Die Gestaltungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt.

Nullenergiehaus als Fertighaus

Wenn es zur Planung und dem Bau eines Nullenergiehauses kommt, denken nur die wenigsten, dass die Gebäude auch als Fertighäuser oder in Massivbauweise realisierbar sind. Doch aufgrund der stärkeren Nachfrage gibt es immer mehr Anbieter, die auch Nullenergiehäuser anbieten.

Die Finanzierung eines Nullenergiehauses

Durch höhere energetische Anforderungen sind sowohl Planungs- als auch Baukosten eines Nullenergiehauses höher als die Kosten bei einem klassischen Haus. Dadurch steigen auch die Finanzierungskosten. Dies können sich viele nicht leisten. Es gibt mittlerweile jedoch verschiedene Fördermittel, die beim Bau eines Nullenergiehauses in Frage kommen:

  • KfW-Programm 153: Bei diesem Programm erhält der Bauherr einen Zuschuss von bis zu 15 Prozent der Darlehenssumme, wenn der KfW-Effizienz-Standard 40 Plus erreicht wird. Maximal kann ein Bauherr 15.000 Euro erhalten.
  • KfW-Prgramm 433: Wird in das Nullenergiehaus eine Brennstoffzelle eingebaut, kann der Bauherr pro Zelle einen Zuschuss von 28.200 Euro erhalten.
  • KfW-Kredit 270: Produziert der Bauherr durch das Nullenergiehaus mehr Energie als benötigt und speist er dieses in das öffentliche Netz ein, kann er zusätzliche Zuschüsse erhalten.
  • Es gibt auch verschiedene regionale Förderprogramme, über die weitere Zuschüsse erhältlich sind.

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