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Karlheinz Müller

Gute Luftqualität in Räumen mit Holz – der richtige Einsatz ist wichtig

Inhaltsverzeichnis

Richtwerte für die Luftqualität in Räumen

Menschen halten sich heute bis zu 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen auf. Daher spielt die Qualität der Innenraumluft eine große Rolle in Bezug auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Das Gewährleisten einer hohen Raumluftqualität durch den Einsatz sehr emissionsarmer Produkte und die Sicherstellung einer angemessenen Luftwechselrate stellen einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge dar.

In den letzten 25 Jahren hat sich unter anderem durch notwendige Energieeinsparziele, aber auch durch gestiegene Komfortwünsche die Luftdichtigkeit von Wohnbauten massiv verbessert. 

Gleichzeitig wurden in Deutschland das Wissen und die Anforderungen an die Innraumluftqualität erhöht. Dazu gehört insbesondere das Richtwerte-Schema des Ausschusses für Innenraumrichtwerte, das nach dem so genannten Basisschema nach toxikologischen Gesichtspunkten erfolgt und zwei Richtwerte unterscheidet: (Bundesgesundheitsblatt 11/1996):

Der Richtwert II (RW II) ist ein wirkungsbezogener Richtwert, der sich auf die aktuellen toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisse zur Wirkungsschwelle eines Stoffes unter Einführung von Unsicherheitsfaktoren stützt. Es handelt sich um die Konzentration eines Stoffes, bei deren Erreichen beziehungsweise Überschreiten unverzüglicher Handlungsbedarf besteht. Besonders für empfindliche Personen kann die entsprechende Konzentration bei Daueraufenthalt in betroffenen Räumen zu einer gesundheitlichen Gefährdung führen. 

Der Richtwert I (RW I), auch Vorsorgerichtwert genannt, stellt die Konzentration einer Einzelsubstanz in der Raumluft dar, bei der nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch dann keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, wenn ein Mensch diesem Stoff lebenslang ausgesetzt ist. Der RW I kann auch als Zielwert bei Sanierungen dienen.
Leider ist die Ableitung von offiziellen Richtwerten ein aufwendiger und langer Prozess, sodass bisher erst einige Dutzend dieser Richtwerte existieren.

Außer diesem offiziellen Richtwerteschema des Umweltbundesamtes gib es ergänzend privatwirtschaftliche Bewertungssysteme beziehungsweise baubiologische Vorsorgewerte, die zunehmend auch bei Rechtsstreitigkeiten Anwendung finden. 
 

Bei welchem Richtwert sollten Sie handeln?

Da eine Überschreitung des RW I mit einer über das übliche Maß hinausgehenden, unerwünschten Belastung verbunden ist, sollte auch im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II präventiv gehandelt werden, beispielsweise durch verbesserte Lüftung oder die Beseitigung von stark emittierendem Material.
 

Eine Lüftungsanlage kann die Raumluft verbessern

Bei den heute üblichen Gebäudequalitäten bezüglich der Luftdichtigkeit sollte eine Lüftungsunterstützung durch eine Komfortlüftung unter baubiologischer Vorsorge eigentlich selbstverständlich sein – alleine schon, um den im Haus beziehungsweise in der Wohnung vom Menschen selbst verursachten CO2-Pegel auf einem niedrigen Niveau zu halten. Beim Einsatz einer gut konzipierten und fachgerecht ausgeführten technischen Lüftung werden dann auch alle VOC-Einflüsse aus dem Bauwerk, dem Mobiliar, den Wohntextilien, den Haushaltschemikalien und Körperpflegemitteln und nicht zuletzt auch der Radonpegel im Haus reduziert.

VOC VOC ist die Abkürzung für Volatile Organic Compounds, was auf Deutsch flüchtige organische Verbindungen bedeutet.

Holzart und Verarbeitungsweise bestimmen die Raumluftqualität

Wenn harzarme Nadelhölzer oder Laubhölzer sowie emissionsarme Holzwerkstoffprodukte handwerklich richtig verarbeitet werden, weder durch Stäube oder unpassende Oberflächenbehandlungen wie zum Beispiel durch bestimmte Lacke oder Öle, eine unnötige zusätzliche VOC-Belastung auftritt, kann schon wenige Tage oder Wochen nach Abschluss der letzten Arbeiten beim Neubau oder bei Renovierungen mit Holz eine sehr niedrige VOC-Situation ermöglicht werden. 

Für empfindliche Menschen oder gesundheitlich angeschlagene Menschen sollten Vorsorgemaßnahmen durchgeführt werden, wie zum Beispiel:

  • emissionsarme Hölzer auswählen
  • statt Kunstharzlack emissionsarmes Naturöl oder Seife bei Oberflächenbehandlung verwenden
  • staubende Arbeiten von der Baustelle ins Freie verlegen
  • Luftreiniger während der Bauzeit aufstellen
  • ein Heizungs-Lüftungs-Management durchführen
  • eine Feinreinigung vor Übergabe des Gebäudes durchführen lassen
  • eine Karenzzeit von einigen Tagen vor dem Einzug einplanen, das schafft Entlastung – nicht nur für gesundheitlich angeschlagene Menschen

Beim Einsatz des nachwachsenden Rohstoffes Nadelholz beim Neubau sowie bei der Möblierung von Häusern und Wohnungen kommt es je nach zeitlichem Verlauf der Bauaktivitäten, Art und Menge des eingesetzten Holzes sowie der Art der Verarbeitung immer wieder zumindest zu kurzzeitigen Richtwert-Überschreitungen (RW I) unter anderem bei den Terpenkohlenwasserstoffen, Carbonsäuren und Aldehyden. 

Hinweis Diese erhöhten Werte sind jedoch nicht nur auf das Nadelholz zurückzuführen, da beispielsweise Terpene in vielen Haushaltsprodukten wie Erkältungseinreibemitteln, Saunaaufgüssen, Haushaltsreinigern und Öl-Pflegemitteln enthalten sind. Carbonsäuren wie zum Beispiel Essigsäure sind auch Teil des menschlichen Stoffwechsels und in verschiedenen Haushaltsreinigern („Essigreiniger“) enthalten.

Positive Wirkung von Holzinhaltstoffen

Gleichzeitig wird Holzinhaltstoffen von verschiedenen Stellen sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Diese These stützen mehrere Studien.

Beim Forschungsprojekt Bigconair stuften die Probanden ihr Wohlbefinden und die Luftqualität in den Testcontainern mit natürlichen Materialien als signifikant besser ein im Vergleich zu konventionellen Containerbauten. Zwei Wochen lang wurden die Probanden zu ihrem subjektiven Wohlbefinden sowie Wachheit und Müdigkeit, Angespanntheit und Gelassenheit befragt, zusätzlich wurden Reaktionsfähigkeit und Herzfrequenz gemessen. 

Das Ergebnis: Natürliche Materialien, die in einem Raum verbaut sind, beeinflussen die Leistungs- und Erholungsfähigkeit positiv.

Bigconair Baubiologische Containerentwicklung für hochwertige Holzmodule in Containerform – Probandenstudie 2015 vom Institut für Konstruktion und  Materialwissenschaften der Universität Innsbruck und der Holzforschung Austria – Österreichische Gesellschaft für Holzforschung in Wien)

Ziel der Studie Innenraumklima Holz – Auswirkungen von Bauprodukten aus Holz auf das Innenraumklima und die Gesundheit der Nutzer (2016) des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion der TU München und eines Haus-Herstellers war es, im Rahmen des Forschungsprojekts Homera (Holz Mensch Raum) mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen von Bewohnern von Wohnungen in Holzbauweise zu erforschen. 282 Kunden der Firma Baufritz wurden mithilfe eines Fragebogens befragt, die Mehrheit der Kunden hatte sich bewusst für ein Haus in Holzbauweise entschieden, insbesondere Aspekte wie Behaglichkeit und Gesundheit standen dabei im Vordergrund. Der überwiegende Teil der Befragten hatte keinerlei Vorkenntnisse in Bezug auf flüchtige organische Verbindungen (VOC), allerdings hatten 99 % der Beteiligten Vorkenntnisse zu Formaldehyd. 72 % der Teilnehmer gab an, dass sie einen positiven Unterschied der Innenraumluftqualität gegenüber einer konventionellen Bauweise empfanden, teilweise gingen sogar die gesundheitlichen Beschwerden von Vorerkrankungen zurück.

Fazit

Beim Einsatz von Holz und Holzwerkstoffprodukten kommt es sowohl auf das Ausgangsmaterial als auch auf die Verarbeitung und die Behandlung des Holzes an.

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